Die unerwarteten Gewohnheiten erfolgreicher Menschen – was Psychologie wirklich darüber weiß
Wir alle kennen diese Momente, in denen wir uns heimlich fragen: Was machen die anders? Die Kollegin, die scheinbar mühelos befördert wird. Der ehemalige Kommilitone, der jetzt ein erfolgreiches Unternehmen leitet. Der Chef, der irgendwie nie gestresst wirkt. Ist es Glück? Connections? Ein Geheimrezept aus dem Silicon Valley?
Die Antwort ist gleichzeitig enttäuschend und befreiend: Es gibt kein magisches Ritual. Keine spezielle Farbe, die du tragen musst. Keine Playlist, die dich automatisch produktiver macht. Aber die Psychologie hat in den letzten Jahrzehnten herausgefunden, dass es tatsächlich Muster gibt. Nicht in dem, was erfolgreiche Menschen vorgeben zu tun, sondern in dem, wie ihre Persönlichkeit tickt. Und diese Persönlichkeit? Die zeigt sich in ganz alltäglichen Vorlieben und Gewohnheiten.
Eine umfassende Studie der Bergischen Universität Wuppertal hat untersucht, wie Persönlichkeitsmerkmale und berufliche Kompetenzen zusammenwirken. Das Ergebnis: Beide sind wichtig für Karriereerfolg – sowohl für die objektiven Dinge wie Gehalt und Position als auch für das subjektive Gefühl, beruflich zufrieden zu sein. Aber während wir Kompetenzen trainieren können, sind Persönlichkeitseigenschaften stabiler. Sie formen, wie wir unseren Alltag gestalten, welche Routinen wir bevorzugen und sogar, wie unser Schreibtisch aussieht.
Die Big Five – das Fundament verstehen
Bevor wir zu den konkreten Vorlieben kommen, müssen wir kurz über Persönlichkeitspsychologie sprechen. Keine Sorge, wird nicht langweilig. Die moderne Forschung nutzt ein Modell namens Die Big Five, das unsere Persönlichkeit in fünf Dimensionen einteilt: Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat in mehreren Übersichtsarbeiten gezeigt, dass diese fünf Faktoren tatsächlich mit beruflichem Erfolg zusammenhängen – allerdings nicht alle gleich stark und nicht in jedem Job. Der absolute Star unter den fünf ist Gewissenhaftigkeit. Menschen, die in diesem Merkmal hoch scoren, sind organisiert, zuverlässig, planvoll und ausdauernd. Und das zahlt sich in praktisch jedem Beruf aus, von der Buchhaltung bis zur Kreativbranche.
Aber auch die anderen Faktoren spielen mit. Emotionale Stabilität – also niedriger Neurotizismus – hilft dabei, unter Druck einen kühlen Kopf zu bewahren. Offenheit für Erfahrungen macht dich anpassungsfähig in sich schnell verändernden Branchen. Eine Forschungsarbeit der TU Darmstadt aus dem Jahr 2009 fasst hunderte Studien zusammen und kommt zu dem Schluss: Bestimmte Persönlichkeitszüge erhöhen systematisch die Wahrscheinlichkeit für höheres Einkommen, mehr Führungsverantwortung und größere Zufriedenheit im Job.
Das Spannende daran: Diese tief verankerten Eigenschaften sind nicht nur abstrakte Konzepte. Sie zeigen sich in dem, was wir täglich tun und mögen. In unseren Gewohnheiten. In unseren Vorlieben. In der Art, wie wir unser Leben strukturieren.
Routinen, Rituale und die Macht der Struktur
Kennst du diese Menschen, die morgens immer exakt dasselbe machen? Aufstehen, Kaffee, zehn Minuten Zeitung, dann duschen, dann erst Handy checken. Jeden. Einzelnen. Tag. Klingt vielleicht langweilig, aber hier kommt der Plot Twist: Das ist kein Zufall oder Zwang. Das ist Gewissenhaftigkeit in Aktion.
Menschen mit ausgeprägter Gewissenhaftigkeit lieben Strukturen. Ihr Gehirn fühlt sich in vorhersehbaren Abläufen wohl, weil es Energie spart und Kapazität für wichtigere Entscheidungen freischaufelt. Das BIBB hat in Langzeitbeobachtungen festgestellt, dass Selbstdisziplin und die Fähigkeit, sich selbst zu regulieren, direkt mit beruflichen Erfolgsmerkmalen korrelieren. Wer verlässliche Routinen hat, ist nicht nur pünktlich und vorbereitet – er hat auch mental mehr Luft für kreative Problemlösungen und strategisches Denken.
Aber Vorsicht vor dem Trugschluss: Es geht nicht darum, dass du ab morgen um fünf Uhr aufstehen musst, nur weil irgendein CEO das tut. Die erfolgreiche Morgenroutine von jemand anderem kann für dich die Hölle sein. Worum es wirklich geht, ist das Prinzip dahinter: Erfolgreiche Menschen haben oft bewusste Strukturen, die zu ihrer Persönlichkeit passen. Manche brauchen eine eiserne Morgenroutine, andere strukturieren ihren Tag lieber nach Energielevel oder Projekten. Der Punkt ist nicht die spezifische Routine, sondern dass sie eine haben – und dass sie funktional ist.
Der Schreibtisch-Mythos – Ordnung oder kreatives Chaos?
Ah ja, der Klassiker: Zeig mir deinen Schreibtisch und ich sage dir, ob du erfolgreich bist. Spoiler alert: So einfach ist es nicht. Die Forschung zeigt zwar, dass Menschen mit hoher Gewissenhaftigkeit statistisch häufiger aufgeräumte Arbeitsplätze haben. Eine Studie aus dem Jahr 2002 von Samuel Gosling und Kollegen fand heraus, dass Beobachter tatsächlich relativ treffsicher auf Gewissenhaftigkeit schließen können, nur indem sie sich Büros oder Schlafzimmer anschauen. Ordentliche Umgebungen sind quasi die sichtbare Signatur dieser Persönlichkeitseigenschaft.
Aber hier wird es interessant: Es gibt auch Forschung, die zeigt, dass leicht unordentliche Umgebungen kreatives Denken fördern können. In einem Experiment aus dem Jahr 2013 stellten Forscher fest, dass Menschen in chaotischen Räumen bei bestimmten Aufgaben originellere Ideen produzierten, während ordentliche Räume eher konventionelles, regelkonformes Verhalten begünstigten.
Was bedeutet das für die Realität? Langzeitdaten des Sozio-oekonomischen Panels, ausgewertet unter anderem an der Uni Mannheim, zeigen: Menschen mit ähnlichen Persönlichkeitsprofilen häufen sich in denselben Berufen. Ein Software-Entwickler braucht vielleicht eine andere Arbeitsumgebung als ein Projektmanager. Ein Grafikdesigner arbeitet anders als ein Controller. Und das ist auch gut so.
Die wirkliche Erkenntnis: Erfolgreiche Menschen gestalten ihre Umgebung so, dass sie zu ihrer persönlichen Arbeitsweise passt. Manche brauchen Minimalismus und klare Flächen, andere denken besser, wenn sie von Post-its, Bücherstapeln und Coffee-to-go-Bechern umgeben sind. Das Entscheidende ist das Bewusstsein darüber, was einen selbst produktiv macht – und die Konsequenz, danach zu handeln.
Hobbys, die mehr sind als Zeitvertreib
Hier kommt ein Muster, das wirklich auffällig ist: Schau dir die Hobbys erfolgreicher Menschen an, und du wirst ein Thema entdecken. Es geht oft um Lernen, Wachstum oder messbare Fortschritte. Fremdsprachen lernen. Ein Musikinstrument beherrschen. Marathon laufen. Schach spielen. Programmieren lernen. Intensiv lesen.
Was haben diese Aktivitäten gemeinsam? Sie erfordern Ausdauer, Frustrationstoleranz und die Bereitschaft, sich auf komplexe Herausforderungen einzulassen. Sie belohnen nicht sofort, sondern erst nach anhaltender Anstrengung. Und genau das ist der Punkt.
Menschen mit hoher Offenheit für Erfahrungen suchen von Natur aus nach neuen Eindrücken und Lernmöglichkeiten. Die Forschung zeigt, dass diese Eigenschaft mit kognitiver Flexibilität, Kreativität und der Fähigkeit zusammenhängt, komplexe Informationen zu verarbeiten. Kombiniert mit Gewissenhaftigkeit – also der Disziplin, dranzubleiben – entsteht ein Profil, das beruflich extrem vorteilhaft ist: Die Neugier treibt zur Weiterentwicklung, die Gewissenhaftigkeit sorgt dafür, dass man nicht nach zwei Wochen aufgibt.
Die Wuppertaler Studie zum Zusammenhang von Persönlichkeit und Berufserfolg betont genau diese Kombination. Menschen, die sowohl offen als auch gewissenhaft sind, zeigen besonders gute Karriereverläufe – weil sie ständig dazulernen, aber auch die Ausdauer haben, ihr Wissen praktisch umzusetzen.
Aber auch hier gilt: Es geht nicht darum, dass du jetzt Mandarin lernen musst, um befördert zu werden. Es geht um die Haltung dahinter – die intrinsische Motivation, sich zu entwickeln. Die Bereitschaft, Herausforderungen als Chance zu sehen statt als Bedrohung. Das ist der eigentliche Gamechanger.
Das Extraversions-Missverständnis
Einer der hartnäckigsten Mythen überhaupt: Erfolgreiche Menschen sind alle super extrovertiert. Die Partylöwen. Die Netzwerker. Die Leute, die jeden Raum dominieren. Die Realität? Deutlich komplexer.
Ja, in manchen Jobs ist Extraversion von Vorteil – Vertrieb, PR, bestimmte Führungspositionen. Aber Metaanalysen zeigen, dass emotionale Stabilität oft ein besserer Prädiktor für Führungserfolg ist als pure Extraversion. Warum? Weil es nicht darum geht, der Lauteste im Raum zu sein. Es geht darum, unter Druck ruhig zu bleiben, Rückschläge wegzustecken und langfristig strategisch zu denken.
Eine faszinierende Langzeitstudie der Universitäten Bern und Gent hat etwas Überraschendes herausgefunden: Karriereerfolg verändert sogar die Persönlichkeit. Mit steigendem beruflichem Prestige und Einkommen nimmt die emotionale Stabilität tendenziell zu. Menschen werden gelassener im Umgang mit Stress, selbstsicherer und ausgeglichener. Möglicherweise, weil Erfolg Ressourcen schafft – finanziell, sozial, psychologisch –, die wiederum Stabilität fördern.
Was die sozialen Vorlieben angeht: Erfolgreiche Menschen pflegen oft strategische, tiefe Beziehungen. Das klingt berechnend, ist aber eigentlich pragmatisch. Sie investieren Zeit in Kontakte, die zu ihren Werten und Zielen passen, statt wahllos zu networken. Das kann sich in kleineren, aber engeren Freundeskreisen zeigen. In der bewussten Auswahl von Events und Konferenzen. In längeren, intensiveren Gesprächen statt oberflächlichem Smalltalk. Qualität über Quantität – ein Prinzip, das sich durch viele Lebensbereiche erfolgreicher Menschen zieht.
Selbstwirksamkeit – der unsichtbare Booster
Jetzt kommen wir zu einem Konzept, das weniger bekannt ist als die Big Five, aber mindestens genauso wichtig: Selbstwirksamkeit. Einfach gesagt ist das der Glaube daran, dass du durch eigenes Handeln Ergebnisse beeinflussen kannst. Dass deine Anstrengungen zählen. Dass du nicht Spielball der Umstände bist, sondern aktiv gestalten kannst.
Das BIBB hat in mehreren Übersichtsarbeiten gezeigt, dass Selbstwirksamkeit eng mit beruflichen Erfolgsmerkmalen zusammenhängt. Menschen mit hoher Selbstwirksamkeit setzen sich ambitioniertere Ziele. Sie halten länger durch bei Rückschlägen. Sie suchen aktiv nach Lösungen statt nach Ausreden. Und sie sehen Misserfolge als Lernchancen, nicht als Beweis ihrer Unzulänglichkeit.
Wie zeigt sich das in alltäglichen Vorlieben? Zum Beispiel in der Präferenz für herausfordernde Aufgaben statt sicherer, routinierter Tätigkeiten. In der Bereitschaft, aktiv Feedback einzuholen – weil man glaubt, sich verbessern zu können. In der Wahl von Freizeitaktivitäten, die Erfolgserlebnisse und messbare Fortschritte ermöglichen: vom Marathon-Training über das Erlernen einer Programmiersprache bis zum Aufbau eines eigenen Projekts.
Das ist keine esoterische Positive-Thinking-Nummer. Das ist ein nachweisbarer kognitiver Stil, der sich in hunderten kleiner Alltagsentscheidungen niederschlägt. Und über die Zeit summieren sich diese Entscheidungen zu komplett unterschiedlichen Karriereverläufen.
Die Person-Umwelt-Passung – warum Kopieren nicht funktioniert
Hier kommt der wichtigste Twist, den viele Ratgeber ignorieren: Es gibt kein universelles Profil des erfolgreichen Menschen. Die Langzeitforschung der Uni Mannheim zeigt eindeutig: Menschen mit ähnlichen Persönlichkeitsprofilen finden sich in denselben Berufen. Mehr noch: Je länger jemand in einem Beruf bleibt, desto stärker passt sich die Persönlichkeit an – in beide Richtungen.
Ein erfolgreicher Künstler hat ein anderes Persönlichkeitsprofil als ein erfolgreicher Controller. Ein Gründer tickt anders als ein Wissenschaftler. Und das ist nicht nur okay – das ist notwendig.
Das Konzept des Person-Environment-Fit besagt, dass Erfolg und Zufriedenheit am größten sind, wenn deine Persönlichkeit und die Anforderungen deines Jobs zusammenpassen. Jemand mit hoher Gewissenhaftigkeit, aber niedriger Offenheit wird in einem strukturierten, vorhersehbaren Job aufblühen – in einem chaotischen Start-up mit ständig wechselnden Prioritäten eher ausbrennen. Und umgekehrt wird jemand mit hoher Offenheit und niedriger Gewissenhaftigkeit in starren Hierarchien ersticken, während er in kreativen, flexiblen Umgebungen brilliert.
Deshalb sind Listen à la „Die zehn Gewohnheiten erfolgreicher Menschen“ oft so unbefriedigend. Sie ignorieren komplett, dass Erfolg in einem Beraterjob etwas ganz anderes bedeutet als in einem Forschungslabor. Die Vorlieben und Gewohnheiten, die in einem Kontext förderlich sind, können in einem anderen hinderlich sein.
Risikobereitschaft – der Sweet Spot zwischen Vorsicht und Tollkühnheit
Ein weiteres interessantes Muster: Unterschiede in der Risikobereitschaft. Aber nicht so, wie du vielleicht denkst. Die Forschung zeigt keinen linearen Zusammenhang nach dem Motto „je risikofreudiger, desto erfolgreicher“. Stattdessen gibt es einen Sweet Spot zwischen zu vorsichtig und zu tollkühn.
Menschen, die kalkulierte Risiken eingehen – etwa durch Jobwechsel in passendere Rollen, Weiterbildungen in neue Bereiche, selbstständige Projekte –, haben langfristig oft vielfältigere und zufriedenstellendere Karrieren. Das zeigt sich in Vorlieben wie der Bereitschaft, auch mal unbequeme Entscheidungen zu treffen. In Neugier auf neue Technologien oder Arbeitsmethoden. In der Tendenz, sichere, aber unbefriedigende Pfade bewusst zu verlassen.
Aber auch hier: Kontext ist alles. In manchen Branchen – Finance, Compliance, sicherheitskritische Bereiche – ist vorsichtige Risikoaversion gewünscht und karrierefördernd. In anderen – Tech-Start-ups, kreative Industrien, Unternehmertum – wird experimentierfreudige Risikobereitschaft belohnt. Die erfolgreichsten Menschen scheinen ein gutes Gespür dafür zu haben, welches Risikoniveau in ihrem spezifischen Umfeld angemessen ist.
Der Meta-Skill: Selbstreflexion
Einer der am meisten unterschätzten Faktoren: Erfolgreiche Menschen neigen dazu, über sich selbst nachzudenken. Nicht in einer narzisstischen Weise, sondern analytisch: Was sind meine Stärken? Wo sind meine Grenzen? Welche Situationen bringen mich zum Erblühen, welche kosten nur Energie? Was habe ich aus diesem Projekt gelernt?
Diese Vorliebe für Selbstreflexion zeigt sich in verschiedenen Gewohnheiten: Manche führen Tagebuch. Andere machen jährliche persönliche Reviews. Wieder andere nehmen Coaching oder Mentoring in Anspruch. Oder sie bauen bewusst Pausen zur Reflexion in ihren Alltag ein – beim Spazierengehen, beim Pendeln, am Wochenende.
Das klingt vielleicht etwas esoterisch, aber die Persönlichkeitsforschung ist eindeutig: Menschen, die ihre eigenen Muster erkennen und verstehen, können sie gezielter einsetzen – oder bewusst gegensteuern. Die Wuppertaler Studie betont, dass sowohl Selbst- als auch Fremdeinschätzung wichtig sind für ein vollständiges Bild. Erfolgreiche Menschen scheinen öfter bereit zu sein, auch unangenehmes Feedback anzunehmen und für Entwicklung zu nutzen.
Das ist eine Meta-Kompetenz, die alle anderen Kompetenzen verstärkt. Wer seine Muster kennt, kann bessere Entscheidungen über Jobs, Projekte und Entwicklungsziele treffen. Wer weiß, wann er am produktivsten ist, kann seinen Tag entsprechend strukturieren. Wer seine Schwächen kennt, kann gezielt Unterstützung suchen oder Systeme aufbauen, die diese Schwächen ausgleichen.
Was du daraus wirklich mitnehmen kannst
Nach all dieser Forschung die große Frage: Was machst du jetzt damit? Die gute Nachricht: Du musst nicht plötzlich dein ganzes Leben umkrempeln oder Vorlieben imitieren, die nicht zu dir passen.
- Erkenne deine eigenen Stärken. Wenn du von Natur aus gewissenhaft bist, nutze das durch Strukturen, Routinen und klare Planung. Wenn du offen und neugierig bist, such dir Umgebungen, die Innovation und Lernen schätzen. Kämpfe nicht permanent gegen deine Grundpersönlichkeit – das ist anstrengend und meist nicht nachhaltig. Finde stattdessen Kontexte, in denen deine natürlichen Tendenzen zum Asset werden.
- Entwickle Selbstregulationsfähigkeiten. Unabhängig von deinem Persönlichkeitsprofil sind Dinge wie Stressmanagement, die Fähigkeit zur Zielsetzung und Durchhaltevermögen trainierbar. Diese Skills verbessern deine Performance in praktisch jedem Berufsfeld.
- Schaffe passende Umgebungen. Wenn du weißt, dass du in Stille besser denkst, kämpfe für Einzelbüro oder Home-Office-Tage. Wenn du von sozialem Austausch lebst, such Teamarbeit und Kollaboration. Deine Präferenzen sind keine Macken, sondern wertvolle Hinweise darauf, unter welchen Bedingungen du aufblühst.
- Bleib neugierig. Die Forschung zeigt immer wieder: Offenheit und Lernbereitschaft zahlen sich langfristig aus. Das bedeutet nicht, dass du zum Workaholic werden musst. Aber die grundsätzliche Bereitschaft, neue Dinge auszuprobieren und aus Erfahrungen zu lernen, ist in sich schnell verändernden Arbeitswelten Gold wert.
- Reflektiere regelmäßig. Nimm dir bewusst Zeit, über deine Fortschritte, Rückschläge und Muster nachzudenken. Das muss kein stundenlanger Prozess sein – auch zehn Minuten am Ende der Woche können helfen, Klarheit zu gewinnen und bewusstere Entscheidungen zu treffen.
Das große Bild – Muster statt Magie
Am Ende geht es nicht um magische Vorlieben, die dich automatisch erfolgreich machen. Es geht um Muster: Bestimmte Persönlichkeitszüge – vor allem Gewissenhaftigkeit, emotionale Stabilität, Offenheit und Selbstwirksamkeit – hängen statistisch mit beruflichem Erfolg zusammen. Diese Züge manifestieren sich in alltäglichen Präferenzen: strukturierte Routinen, lernorientierte Hobbys, durchdachte Umgebungsgestaltung, reflektierte Risikobereitschaft, bewusste Selbstreflexion.
Aber diese Vorlieben sind keine Checkliste zum Abhaken. Sie sind Symptome tieferer psychologischer Muster. Die wirkliche Einsicht: Erkenne deine eigenen Muster, verstehe, welche davon dir dienen und welche nicht, und gestalte dein Arbeits- und Privatleben so, dass sie zu deiner Persönlichkeit passen. Das ist keine Garantie für die nächste Beförderung, aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass du langfristig in einem Job landest, der zu dir passt – und in dem du deshalb auch gut bist.
Die Wissenschaft sagt nicht: „Mach diese zehn Dinge und du wirst CEO.“ Sie sagt: „Menschen mit bestimmten Eigenschaften tendieren zu bestimmten Verhaltensweisen, und diese Eigenschaften korrelieren mit beruflichem Erfolg in passenden Kontexten.“ Das ist weniger sexy als ein Listicle, aber deutlich ehrlicher – und letztlich hilfreicher. Denn statt blind Vorlieben zu kopieren, kannst du anfangen, an den zugrundeliegenden Fähigkeiten zu arbeiten und Umgebungen zu suchen, in denen deine individuelle Kombination von Stärken zum Tragen kommt.
Und wer weiß – vielleicht stellst du dabei fest, dass du schon längst viele dieser Muster zeigst. Dann wäre die Frage nicht „Wie werde ich erfolgreich?“, sondern „Wie nutze ich, was ich schon habe, noch besser?“ Und das ist eine deutlich spannendere – und wissenschaftlich fundiertere – Frage. Eine, die nicht von Instagram-Influencern beantwortet wird, sondern von dir selbst, basierend auf ehrlicher Selbstreflexion und dem mutigen Ausprobieren dessen, was wirklich zu dir passt.
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